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<title>Der Milchmann</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Der Milchmann</span></h1>
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<p><b>Der Milchmann</b> ist eine <a href="Kurzgeschichte" title="Kurzgeschichte">Kurzgeschichte</a> des <a href="Schweiz" title="Schweiz">Schweizer</a> Schriftstellers <a href="Peter_Bichsel" title="Peter Bichsel">Peter Bichsel</a>. Sie wurde 1964 in der Kurzgeschichtensammlung <i><a href="Eigentlich_m%C3%B6chte_Frau_Blum_den_Milchmann_kennenlernen" title="Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen">Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen</a></i> im <a href="Walter_Verlag" title="Walter Verlag">Walter Verlag</a> veröffentlicht. Die Kurzgeschichte handelt von der Beziehung zwischen einem <a href="Milchlieferservice" title="Milchlieferservice">Milchmann</a> und seiner Kundin, die zwar ihr ganzes Leben lang miteinander zu tun haben, sich aber nie persönlich kennenlernen. Stattdessen kommunizieren sie ausschließlich schriftlich.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Inhalt">Inhalt</h2></div>
<p>Die Kurzgeschichte handelt von einem <i>Milchmann</i>, der jeden Morgen um 4 Uhr einer gewissen <i>Frau Blum</i> sowohl 100 Gramm Butter als auch zwei Liter Milch liefert. Frau Blum und er kommunizieren durchgehend per Zetteln, in denen es um Frau Blums Bestellungen geht, um Fehlbeträge bei den Bezahlungen und manchmal um eine Entschuldigung. Frau Blum denkt über den Milchmann nach, seine berufsbedingt sauberen Hände und seine Pflichterfüllung. Sie möchte ihn gerne kennenlernen und hofft, dass er wegen ihres verbeulten <a href="Milchhafen" title="Milchhafen">Milchtopfes</a> nicht schlecht von ihr denkt. Auch hofft sie, dass er nicht mit ihrer Nachbarin ins Gespräch kommt, doch im ganzen Viertel kennt niemand den Milchmann. Der Milchmann macht sich nicht viel Gedanken über Frau Blum, die immer pünktlich zahlt. Er kennt ihre Bestellung und ihren verbeulten Topf.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hintergrund">Hintergrund</h2></div>
<p>Laut eigener Aussage entwarf Peter Bichsel die Geschichte <i>Der Milchmann</i> ausgehend von ihrem ersten Satz: „Bei dieser <i>Milchmann</i>-Geschichte erinnere ich mich, daß ich diesen Satz hatte: ‚Der Milchmann schrieb auf einen Zettel: ‚Heute keine Butter mehr, leider‘‘, und dieser Satz hat mich wochenlang verfolgt. […] In diesem ersten Satz ist die ganze Geschichte enthalten, alles andere ist Variaton zu ihm.“ Die Variation einer Idee oder eines Themas ist ein häufiges Konstruktionsprinzip in Bichsels Werk. Dabei hat er oft im Vorhinein noch kein Konzept für den Ablauf und das Ende der Geschichte.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Während Hans Bänziger vermutete, Bichsel habe sich beim Namen Blum von <a href="Kurt_Schwitters" title="Kurt Schwitters">Kurt Schwitters</a>’ Gedicht <i><a href="An_Anna_Blume" title="An Anna Blume">An Anna Blume</a></i> inspirieren lassen, bekannte Bichsel 1966, dass er häufig Namen verwende, die ihm aus seiner Jugend bekannt sind. So geht auch der Name Blum auf eine reale Person namens Hans Blum zurück, einen Fußballspieler des FC Olten, den er in seiner Jugend verehrt habe.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Darauf scheint Bichsel sogar Bezug zu nehmen, wenn er schreibt: „In der ersten Mannschaft spielte einmal ein Blum , den kannte der Milchmann , und der hatte abstehende Ohren“. Darauf überlegt sich der Milchmann, ob Frau Blum ebenfalls vorstehende Ohren habe. Im Gegensatz zu Frau Blum besitzt der Milchmann in der Erzählung keinen Namen, sondern ist lediglich ein Stellvertreter für ein Kollektiv. Tatsächlich tritt in der Kurzgeschichtensammlung <i>Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen</i> noch ein zweiter namenloser Milchmann auf, nämlich in <i>Pfingstrosen</i>, und auch er ist am frühen Morgen unterwegs und hat es mit einer älteren Frau zu tun.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Interpretation">Interpretation</h2></div>
<p>Laut Peter Bichsel handelt die Geschichte von einer ganz besonderen Art der <a href="Kommunikation" title="Kommunikation">Kommunikation</a>. Zwei Personen kommunizieren lediglich schriftlich auf kleinen Zetteln. Sie kennen sich nicht, sind aber doch ihr ganzes Leben miteinander beschäftigt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Peter Rusterholz beschreibt: „Die Figuren leben und handeln in <a href="Indikativ" title="Indikativ">Indikativsätzen</a>, sie denken und wünschen im <a href="Konjunktiv" class="mw-redirect" title="Konjunktiv">Konjunktiv</a>.“ Die Geschichten, die daraus entstehen könnten, finden nicht statt. Beide Figuren stecken in <a href="Konvention" title="Konvention">Konventionen</a>, erfüllen eine Rolle und leben ihre Individualität nicht aus. Die Möglichkeiten werden nicht gelebt, sondern bloß gedacht und damit verpasst. Niemand kennt den Milchmann, auch Frau Blum nicht, die ihn doch gerne kennenlernen würde.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Peter_Hamm" title="Peter Hamm">Peter Hamm</a> hängt sich bereits am Wort „eigentlich“ im Titel des Erzählbandes <i>Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen</i> auf. Denn in der Einschränkung steckt auch die Aussage, dass Frau Blum den Milchmann eben doch nicht kennenlernen will, weil sie es dazu auf sich nehmen müsste, früh aufzustehen und ihre Scham zu überwinden. Der Milchmann hingegen glaubt Frau Blum bereits zu kennen in allem, worauf es ihm bei seiner Arbeit ankommt. Er will nur seine Pflicht tun und reduziert die Menschen auf ihre Forderungen an ihn. Hamm zieht das Fazit: „Ein ziemlich <a href="Melancholie" title="Melancholie">melancholisch</a> stimmender Sachverhalt der schon im Titel anklingt – und dennoch eine bezaubernde Geschichte; eine trügerische Idylle über <a href="Entfremdung" title="Entfremdung">Entfremdung</a>, und trotz des Trügerischen genießt man das Idyllische.“<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wortwahl,_Satzbau_und_Rhetorik"><span id="Wortwahl.2C_Satzbau_und_Rhetorik"></span>Wortwahl, Satzbau und Rhetorik</h2></div>
<p>Sieht man sich die Sprachebene der Kurzgeschichte <i>Der Milchmann</i> von Peter Bichsel an, so fällt auf, dass der Text in <a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">Alltagssprache</a> verfasst ist. Diese Art der Sprache ist für jeden leicht verständlich. Wenn man den Satzbau der Geschichte näher betrachtet, stechen zunächst Aussagesätze heraus, z.&nbsp;B. „Bei uns kommt er morgens um vier“. Diese Art von knappen Formulierungen hilft dem Leser den Text leichter zu verstehen. Zusätzlich zu den kurzen Aussagesätzen gibt es noch komplexe Satzkonstruktionen. Diese können im Gegensatz zu den einfach gehaltenen Sätzen schwieriger zu lesen sein. Achtet man aber auf die Wortwahl, so fällt auf, dass in dem Text zahlreiche anschauliche <a href="Adjektiv" title="Adjektiv">Adjektive</a> und <a href="Partizip" title="Partizip">Partizipien</a> vorhanden sind, die ihn lebendiger erscheinen lassen. Ausdrucksstarke Verben haben die gleiche Wirkung wie die anschaulichen Adjektive in der Kurzgeschichte, verstärken jedoch den gewonnenen Eindruck.
</p><p>Bei der Betrachtung der <a href="Rhetorik" title="Rhetorik">rhetorischen</a> Stilmittel des Textes erkennt man gleich zu Beginn eine <a href="Ellipse_(Linguistik)" class="mw-redirect" title="Ellipse (Linguistik)">Ellipse</a> „Heute keine Butter mehr, leider“. Sie vereinfacht den Text und spiegelt die natürliche Ausdrucksweise wider. Als zweites findet man noch eine <a href="Anapher" title="Anapher">Anapher</a> („Der Milchmann [...] einen Zettel.“). Dieses Stilmittel hebt bestimmte Textteile hervor und ist gefühlsbetontes Sprechen. In <i>Der Milchmann</i> sind zuletzt noch <a href="Parallelismus_(Rhetorik)" title="Parallelismus (Rhetorik)">Parallelismen</a> untergebracht, welche Aussagen verstärken und diese eindringlich machen („Der Milchmann [...] mehr, leider.“ und „Frau Blum fürchtet [...] ihr Topf ist verbeult.“).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Text">Text</h2></div>
<ul><li><a href="Peter_Bichsel" title="Peter Bichsel">Peter Bichsel</a>: <i>Der Milchmann</i>, in: <i>Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen</i> (21 Geschichten), Erstveröffentlichung 1964, aktuelle Ausgabe Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1993, ISBN 3-518-22125-6.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GT45kbMilchmann.pdf">Text der Kurzgeschichte</a> (pdf; 148&nbsp;kB)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Chalit Durongphan: <i>Poetik und Praxis des Erzählens bei Peter Bichsel</i>. Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3091-5, S. 128.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Urs Amacher: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.oltnertagblatt.ch/solothurn/olten/peter-bichsel-und-der-hat-den-namen-geliefert-fuer-meine-frau-blum-128633918">Peter Bichsel: «… und der hat den Namen geliefert für meine Frau Blum»</a></i>. In: <i><a href="Oltner_Tagblatt" title="Oltner Tagblatt">Oltner Tagblatt</a></i> vom 7. Dezember 2014.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Manuel Montesinos Caperos: <i>Die verschiedenen Figuren in „Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen“</i>. In: Ofelia Martí Peña: <i>Peter Bichsel. Ein Treffen mit dem Schriftsteller über sein Werk</i>. Universidad de Salamanca, 1994, ISBN 84-7481-763-3, S. 46.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Katrin Heise: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-alltag-schreibt-die-schoensten-geschichten.945.de.html?dram:article_id=131980">Der Alltag schreibt die schönsten Geschichten. Im Gespräch mit dem Autor Peter Bichsel</a></i>. In: <i><a href="Deutschlandfunk_Kultur" title="Deutschlandfunk Kultur">Deutschlandfunk Kultur</a></i> vom 24. März 2005.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Peter Rusterholz: <i>Eine neue Generation</i>. In: Peter Rusterholz, Andreas Solbach: <i>Schweizer Literaturgeschichte</i>. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01736-9, S. 319.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Peter_Hamm" title="Peter Hamm">Peter Hamm</a>: <i>Der Fragwürdige. Lob auf den Volksschriftsteller Peter Bichsel</i>. In: <i>Aus der Gegengeschichte. Lobreden und Liebeserklärungen</i>. Hanser, München 1997, ISBN 3-446-18933-5, S. 95.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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